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OPTIMISTIN, 49, SUCHT NEUEN ÄRGER, oder wie meine Hündin mir das Rauchen abgewöhnte

Charlotte, 49, frisch geschieden, immer noch Optimistin, sucht mit dieser Annonce nach einem neuen Anfang, und sie sucht nach einer Rettung für CHEFIN, ihre Hündin, die lebensgefährlich erkrankt ist. Dabei macht sie auch vor der Lektüre esoterischer Bücher nicht halt und findet eine Möglichkeit, ihren Wünschen mit Nachdruck Ausdruck zu verleihen.Sie gibt Bestellungen beim Universum auf, die sich manchmal nicht ganz so erfüllen, wie sie es gewünscht hat. Trotzdem will sie sich nicht unterkriegen lassen und führt ihre Kneipe und ihr etwas chaotisches Leben mit Hunden, Katzen, Hühnern, Stammgästen und Freunden recht glücklich weiter. Bloß - der Mann für`s Leben ist nicht in Sicht, trotz Annoncen und Einladungen zum Single - Treffen mit ihren alleinstehenden Freundinnen und fremden Männern.  Aber wozu gibt es das Universum? Charlotte gibt noch eine Bestellung auf - diesmal für sich. Und das Universum reagiert. Wie, wird noch nicht verraten.... 

 

17.1.07 23:03, kommentieren

Donnerstag, 27.6.

Ich hätte es wissen müssen!

Im Grunde hätte ich es wissen müssen, denn es war ja nicht das erste Mal.

Heute war ich bei H&M ein Kleidchen kaufen oder ein anderes Teil, das zur Verschönerung einer unzufriedenen Frau beitragen könnte. Und da bin ich zu H&M gefahren, weil da die neue Kollektion von Karl Lagerfeld in den Handel gekommen sein soll. Bei Karl Lagerfeld gibt es nämlich immer so viel Schwarzes, und das gefällt mir schon erst mal gut.

Aber als ich dann dort war und auch in Grösse XL Immer noch nicht reinkam bei einer Körpergrösse von 1,55 Meter bekam ich Wut, denn ich bin nicht dick, nur unglücklich.

Ich ging zu den Verkäuferinnen und fragte sie lächelnd, wo sie denn die Kollektion für Deutschland versteckt hätten, denn bisher hätten sie ganz offensichtlich irrtümlicherweise nur die Modelle für Ruanda zum Verkauf angeboten. Sie guckten mich nur verständnislos an. Kein Wunder, sie sahen selbst aus, als hätte man sie gerade nach langer Zeit der Auszehrung aus Ruanda zurückgeholt. Wunderschön und spindeldürr.

Und da fiel es mir wieder ein. Vor Jahren hatte derselbe Kreateur eine Kollektion für Quelle erdacht, bei der man nur daran erkennen konnte, dass die exquisit ausgemergelten gestalten auf den Hochglanzseiten Frauen sein MUSSTEN, weil sie sogenannte Zweiteiler trugen. Bikini sagten wir früher dazu. Und bei aller Ausgelassenheit in der modischen Welt habe ich doch noch nie einen Mann in einem Bikini gesehen, denn ansonsten hätte man meinen müssen...

Warum machen diese Künstler keine konsequente Mode? Für echte Jünglinge. Warum müssen sich die Mädels erst jede weibliche Note abhungern, damit sie dann in Frauenkleidern wie verzauberte ungs aussehen!?

Also, ich versteh das nicht.

Und ich kam mir ziemlich verarscht vor, als ich - selbstverständlich - ohne Designerteilchen heimfahren musste. Dabei hätte ich gerade heute ein bisschen Ermunterung ganz dringend gebraucht.

Nun sitze ich hier und weiss einfach nicht, wie es weitergehen soll. Mein Hund ist krank, mein Mann ist weg, und meine Küche sieht schon wieder so aus, wie sie eigentlich immer aussieht. Als hätte ein Vertreter für Küchenartikel alle seine Proben auf meinem Tisch liegen lassen, ein wenig benutzt, und - wegen der Optik - noch ein paar auf dem Fussboden nicht unmalerisch verteilt. Auch das verstehe ich nicht. Ausser mir ist doch niemand hier. Wer macht denn da nur immer diese Unordnung? Irgendwann werd ich mal - etwas ganz grosses tun...

Jetzt muss ich aber erst mal etwas ganz anderes tun.

Jetzt muss ich zum Tierarzt fahren, und zwar ganz ganz schnell!

Meine Hündin Heisst CHEFIN, und sie ist ein grosses Glück für mich. Sie hat mir seit meiner Trennung so schön beigestanden, war immer für mich da. Sie hat für mich mehr getan als der beste Psychologe ( gibt es sowas überhaupt? ). Ihr konnte ich völlig kostenfrei auch zum hundertstenmal immer wieder dasselbe erzählen, ohne dass sie auch nur eine Miene verzogen hätte. Oder eine dieser dämlichen Fragen gestellt, die eine wie mich, frisch getrennt, wieder völlig aus der Bahn geworfen hätte, dass ich alles noch mal von vorn hätte erzählen müssen. Schliesslich will man ja auch mal fertig werden mit seiner Geschichte. Meine CHEFIN hat mir jedenfalls immer beigestanden.

Und jetzt muss ich ihr beistehen, denn sie hat einen unnatürlich aufgeblähten Bauch. Und sie wedelt auch nur noch ganz traurig mit dem Schwanz, wenn ich sie anspreche. Irgendwie apathisch. Hoffentlich ist es nichts Ernstes! Ich habe nämlich ehrlich gesagt für richtige Ernsthaftigkeiten gar keine richtige Zeit.

Das ist für den Tierarzt mit dem besten Ruf und den höchsten Rechnungen in Dresden natürlich ohne Bedeutung. Sein Wartezimmer ist immer gerammelt voll. Ich habe also ungefähr einen halben Tag Rumsitzen und wohlwollendes Vergleichen mit den anderen Hunden vor mir.

Und trotzdem bin ich wieder ganz glücklich, wenn ich meine Hündin so betrachte. Ihr riesengrosses herzensgutes Gesicht mit den schönen Augen. Die massige Figur und diese samtige Schnauze, in der sie ein paar beachtliche Zähne versteckt hat. Die ich manchmal blosslege, indem ich aus Prahlsucht und Stolz ihre Lefzen hochklappe, weil sie das von selbst nicht tun würde. Sie ist ein Bullmastiff, eine Mischung aus englischem Mastiff und Bulldogge und hat sowas nicht nötig. Ich wahrscheinlich schon. Schliesslich ist mein Sternbild LÖWE, Aszendent LÖWE, eine doppelte Bürde, das muss ich schon sagen.

Oh, nach drei kurzen Stündchen sind wir schon im Behandlungszimmer. Toll. Was der Tierarzt nach seiner Untersuchung und einem langen, unheimlich beängstigend langen Blick auf CHEFIN zu sagen hat, ist überhaupt nicht toll. Er guckt mich genauso beängstigend ernst an und sagt:"Das sieht aber gar nicht gut aus! (!!!) So ein aufgeblähter Bauch deutet zu 90% auf Krebs. (NEIN!NEIN!NEIN!NEIN!). Da mache ich Ihnen nicht viel Hoffnung. Ich werde jetzt alle weiteren notwendigen Untersuchungen machen, sie eine Woche zur Beobachtung hier behalten (TEUER! Verzeih mir, CHEFIN, das war nicht so gemeint!) und gebe Ihnen dann endgültig Bescheid."

Scheisse, eine solche Diagnose wollte ich als Letztes hören. Ich muss erst mal raus und einige Zigaretten rauchen, um zur Besinnung zu kommen. Aber noch habe ich Hoffnung: Ich habe vor einiger Zeit, als es mir nicht so besonders ging, beziehungsmässig, meine ich, und ich alles gelesen habe, was man da eben so liest, ein Buch in die Hände bekommen, das heisst "Bestellungen beim Universum". Und da stand eigentlich alles drin, was man zum Leben braucht. Nämlich immer, wenn man sich etwas ganz toll wünscht oder braucht, gibt man eine sogenannte Bestellung beim Universum auf. Wie in einem Versandhaus, "Quelle" oder so, und dann wird man schon sehen, was passiert...

Anfangen kann man ja erst mal mit der sogenannten Parkplatzbestellung. Wenn man dann etwas mehrÜbung darin hat, kann man zu komplizierteren Sachen übergehen. Sich eine Freundin bestellenzum Beispiel, mit der man nicht konkurrieren muss. Im Kopf geht dann ein Schalter rum, und es wird etwaspassieren, denke ich mir die Erklärung zusammen. Deshalb ist es bei CHEFIN etwas schwerer, da reicht es nicht, dass in MEINEM KOPF ein Hebel umgelegt wird. Aber trotzdem, vielleicht gibt ja auch der Himmel zusätzlich eine gewisse Hilfestellung, wenn es ganz  dringend ist.

Auf jeden Fall ist das eine Möglichkeit, wenn einem sonst nichts mehr einfällt, etwas zu bewegen, etwas in Gang zu bringen, und manchmal klappt das dann. Aber eben oft auch anders als man denkt. Aber wirhaben sowieso keine Wahl, meine CHEFIN und ich. Für uns ist es die letzte Hoffnung.

Ich habe nämlich wirklich ein paar Mal richtig gute Erfahrungen mit diesen Bestellungen gemacht. Wie gesagt, immer ein bisschen anders, als ich direkt bestellt hatte. Aber was soll ich sonst machen!? Ich bin ehrlich gesagt schon ziemlich verzweifelt.

"Ich bestelle, dass CHEFIN keinen Krebs hat. Und wenn sie keinen Krebs hat, verspreche ich (sozusagen als Belohnung für das Universum) , sofort mit dem Rauchen aufzuhören!!!"

Huch, jetzt war`s raus, das kann ich jetzt nicht mehr zurücknehmen, obwohl es mir fast ein bisschen voreilig vorkommt. Schliesslich rauche ich an die zwanzig Zigaretten täglich. Aber - man muss auch mal ein Opfer bringen. Für meine CHEFIN ist es bestimmt viel schwerer, so allein in der Tierklinik...Mit einem Katheter im Bauch und so...also, ich will das gar nicht so genau wissen...

Um mich ein wenig abzulenken, habe ich endlich die Ladung alter Möbel zum Entlacken gebracht, dieich vor einiger Zeit mal günstig auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Einen alten Stuhl, ein weiss gestrichenes Apothekerschränkchen, ein ebensolches Regal und ein rosa Vertiko - alles frohe Farbkreationen der siebziger Jahre. Bestimmt sehen die Sachen klasse aus, wenn der Lack erst mal ab ist.

Von mir kann ich das nicht sagen, seit der Lack ab ist.Ich warte übrigens immer noch auf die grosse Ladung Weisheit, die mit dem Älterwerden versprochen wurde. Das mit dem Älterwerden hat doch schliesslich auch geklappt. Immerhin bin ich ohne besonderes Bemühen älter und älter geworden, zur Zeit gerade noch 49 Jahre alt.

Also her mit der Weisheit! Und her mit der Arbeit, damit ich CHEFIN`s Klinikaufenthalt bezahlen kann.

Mit meiner Arbeit ist das so eine Sache. Ich habe eine kleine Szene - Kneipe und damit den gefährlichsten Beruf der Welt gewählt: Ich werde ständig zum Rauchen und zum Trinken animiert. Und es ist wahrlich nicht leicht, da immer ein kleines Tapferchen zu sein und vor allem den ganzen Abend auch zu bleiebn. Man ist umzingelt. Und ich bin auch noch so leicht zu beeinflussen.Meine Kneipe ist ein kleines Nachtcafe in einer kleinen Stadt in Sachsen. Ich habe es mit einem wunderbaren alten Freund aus einer alten Garage sozusagen in Heimarbeit selbst hergestellt. Leider ist mein Freund ziemlich schnell dem gefährlichen Sog, den ich vorhin andeutungsweise erwähnte, erlegen mit allen seinen Folgen. Er war sein bester Gast geworden und weilt nun schon lange nicht mehr unter uns. Schade, dass Alkohol so traurige Nebenwirkungen hat, denn er bringt auch ausgesprochen viel Freude ins Leben. Immer, wenn wir nachts die letzten Gäste verabschiedet hatten, sassen wir beide noch lange am Tresen rum, tranken ein paar weitere Pils und unterhielten uns immer hoffnungsfroher. Zum Beispiel über Beziehungen, er war auch getrennt. Auch da ist Alkohol sehr hilfreich, er löst die Zunge. Oder kann man sich etwa mit einem nüchternen Mann stundenlang über Beziehungen unterhalten? Na also.

Mit ihm hatte ich jedenfalls eine wunderbare Zeit, wir konnten auch gemeinsam über die Gäste reden. Mit wem soll ich das jetzt machen? Etwa mit den anderen Gästen? Er fehlt mir

20.1.07 18:17, kommentieren

RITTERSCH MAUS

Freitag, 28.6.  4.45 Uhr

 

Meine Gäste waren heute besonders lieb und anhänglich. So, als wüssten sie, dass ich jetzt viel Geld für die nächsten Tierarztrechnungnen brauche, bestellten sie deutlich mehr Getränke als sonst, die Guten. Dabei hatte ich das Beim Universum gar nicht mit bestellt.

Und es waren zwei Holländer da, eher ungewöhnlich, weil ich fast nur Stammgäste habe. Sie arbeiten zur Zeit hier als Monteure, und sie hatten offensichtlich Hunger. Sie lasen ungewöhnlich lange in der Speisekarte, was eigentlich gar nicht möglich ist, weil ich nur vier Gerichte anbiete und jeden Tag frische Aufläufe koche, die gar nicht in der Karte stehen. Aber vielleicht, dachte ich, brauchen sie als Ausländer eben etwas länger. Und dann kam der eine zu mir an den Tresen und sagte:"Das ist ja sehr speziell bei dir. Hier gibt es sogar Maus?!"

Ich quiekte unschön und schrill:"Was, wo ist hier eine Maus??" Das ist schliesslich peinlich für eine Gaststätte.

Er zeigte in der Karte auf ein Gericht, das heisst RITTERSCH  MAUS ( ich bin manchmal etwas schlampig, wenn ich die Speisekarte mit der Schreibmaschine schreibe ). RITTERSCHMAUS ist armer Ritter, also Ei und Milch und Brot a la Dustin Hofmann in "Kramer gegen Kramer".

Gerade ich nämlich habe ausschliesslich vegetarische Gerichte im Angebot, da würde Maus, in welcher Zubereitung auch immer doch etwas fremd wirken.

Aber jetzt muss ich erst mal ins Bett. Hoffentlich kann ich ohne meine CHEFIN auch einschlafen ( und sie ohne mich! ).

Mit einem letzten Glas Bier spüle ich noch etwas Lethargie durch meine alten Adern und lasse Maria Callas ins Schlafzimmer. Ob ich nun schlafen kann oder nicht, Maria Callas ist immer richtig. Ich lasse sie im CD - Player fast jede Nacht zur Hochform auflaufen und bin glücklich, sobald ich ihre Wahnsinnsstimme höre. Sie singt ja immer nur ganz traurige Lieder, und es ist paradox, dass ausgerechnet diese Trauer mich so glücklich mqacht. Immer und immer wieder.

Es gibt allerdings ein hartes Kopf an Kopf - Rennen im CD - Player mit ihr und Mozart. Seit dem Film "AMADEUS" bin ich auch ihm hemmungslos verfallen, vor allem seinem traurigen grossartigen Requiem.

Aber, heute hat wieder einmal Maria gesiegt. Frauen sind ja so zäh. 

20.1.07 18:43, kommentieren

JA, ICH MUSS TURNEN

Das erste Mal ging ich ganz alleine hin. Die vielen Spiegel, meine Gott! Spiegel sind nur was Schönes, wenn man darauf vorbereitet ist. perfekt geschminkt und von vielen Kerzen umgeben. Oder wenn man das zarte Alter von siebzehneinhalb auf keinen Fall überschritten hat. Aber mit siebzehneinhalb findet man sich leider nie so schön wie man dann nie wieder sein wird.

Eine unendliche Tragik liegt in dem weiblichen Verhältnis zum Spiegel sobald wir die Worte BIKINI, DICK, SOMMERSPROSSEN, BEINE und HAARE fehlerfrei aussprechen können.

Im Fitness - Studio gab es zu allem Überfluss nur diese billigen Spiegel, die alles unschön auseinander zerren. Reicht denen denn nicht, wie man so schon aussieht? Haben die kein Geld für ordentliche Spiegel, die uns nicht so deprimieren? Am Mitgliedsbeitrag kann es jedenfalls nicht liegen, davon kann man viele sehr gute Spiegel mit Weichzeichner kaufen.

Ich hopste vor den Spiegeln rum wie all die anderen und wurde immer wieder von ungebetenen Lachanfällen geschüttelt, wenn ich mal nicht umhin konnte, reinzugucken. Sehr kurz - aber dafür umso breiter.

Naja, die Lachanfälle wurden deutlich weniger, als Marlene irgendwann neben mir turnte und genauso im Zerrspiegel aussah wie im Leben : schlank und schmal uns sehr schlank.

Also, ich weiss beim besten Willen nicht, warum mir nun immer, wenn ich dort turne, die Worte von Judy Dench in den Rücken fallen : sie sei ein Zwerg in den Wechseljahren. Ich habe es schon ganz allein schwer genug mit dem Älterwerden. Schliesslich bin ich noch nicht allzu lange getrennt und allein und habe manchmal in letzter Zeit das unprickelnde Gefühl, eine erotische Tarnkappe zu tragen.

Aber, die kleine Optimistin lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Sie turnt!

Als ich heute nach Hause kam, wäre ich fast über einen Berg von Zuschriften gestürzt, so viele waren es.

Na gut, wenn ich ehrlich bin, bin ich bloss über CHEFIN gestolpert, die hinter der Tür lag. Aber der Trost lag dahinter : 37 Zuschriften beziehungsweise 37 potentielle männliche Ärgernisse. Da macht das Leben wieder Spahaß, auch ohne Zigaretten. ( Das ist gelogen. )

Ich rufe gleich Sophia an und lese ihr die ersten zehn vor. Sophia ist meine zweitälteste - die Ärmste - Freundin, wohnt in Brüssel, ist wie ich zweimal geschieden und hat ihren jetzigen Mann - den Dritten - über eine Anzeige kennen gelernt. ER war der dritte Brief. Eine beneidenswert schnelle Lösung und ein klasse Mann. Seitdem ist Sophia im Kreise meiner alleinstehenden Freundinnen so etwas wie eine Hoffnungsträgerin dafür, dass noch alles gut werden kann.

Sie war es auch, sie mich zu meiner Anzeige ermuntert hat, deshalb soll sie jetzt auch mit entscheiden, wer die kleine Charlotte als erster treffen darf.

In meiner Anzeige stand nur :"OPTIMISTIN, 49, SUCHT NEUEN ÄRGER."

Wir entscheiden uns für die ebenso knappe Antwort eines Dresdners :"Dann bring mich doch mal zur Weissglut!Robert, 51, Architekt, Telefonnummer... 

25.1.07 01:42, kommentieren

HEUTE WIRD GETROFFEN

Dienstag, 2.7.

Nun muss ich jeden Tag mit meiner Prinzessin in die Landeshauptstadt fahren, um sie einmal täglich kathetern zu lassen. Was macht sie bloss mit der ganzen anderen Flüssigkeit? Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass man nur einmal am Tag müssen kann. Also, ich könnte das nicht. Aber swie hat keine Wahl, und hoffentlich hat diese Quälerei bald ein Ende durch die Operation. Der Katheter muss erst hergestellt werden, weil es sowas für Hunde noch gar nicht gibt, nur für Kühe und andere sogenannte Nutztiere. Wahrscheinlich macht sonst niemandso was. So, wie der Tierarzt mich angeguckt hat, als ich den Dauerkatheter wollte, könnte man schon zu diesem Schluss kommen.

Dann sind wir eben die ersten. Sie hat`s verdient.

Ich bin ja schon froh, dass ich nicht schon früh um sieben dort antanzen muss - wegen Wochenende und so. Aber viele Tage halte ich das wahrscheinlich nicht ohne Schlaf und Zigaretten aus. Letzte Nacht war es wieder früh halb vier, als ich endlich ins Bettchen konnte. Und ich leide leider noch nicht an seniler Bettflucht, die mich frühzeitig aus dem Bett treibt. Aber ich habe es mir schon immer mal beim Universum präventiv bestellt. Man gewinnt so viel Zeit dadurch.

Und dabei kommt es doch heute drauf an : Heute wird sich doch getroffen!

Ich habe gestern noch Robert, Architekt, angerufen. Er klang ganz Sympathisch und erzählte gleich begeistert von einer neu eröffneten Kneipe in Kötzschenbroda, die er mir unbedingt zeigen will. Ich liebe neue Kneipen und lasse ihn gerne zwei Plätze für uns bestellen. Das muss man dort, weil es immer so voll dort ist.

Jedenfalls wollen wir uns heute abend dort treffen, denn heute abend habe ich frei, da arbeitet meine Lieblings _ Aushilfs _ Silvia für mich, eine ganz liebe. Ein schönes Gefühl für mich, denn ich habe nach langer Zeit endlich wieder jemand gefunden, der ich voll vertraue, und die als Stammgast alle meinen anderen Stammgäste kennt und gut mit ihnen umgehen kann.

Also, mal sehen, Mister one...

Aber erst muss ich mal sehen, was sich so machen lässt. Ich kann mir schöne Augen machen, und ich habe einen grossen Mund, da passt eine Menge Lippenstift drauf. Das Feenhaar föhne ich geschickt zu Filmhaar um - für einen Abend - da darf aber kein Lüftchen dazwischen kommen, sonst wird`s Mist. Habe ich eigentlich meine Beine schon erwähnt?

Es geht. Frau schraubt Jahr für Jahr ihre Ansprüche etwas herunter, und schon geht es wieder ein bisschen.

Na, dann wollen wir mal...

 

27.1.07 18:26, kommentieren

OPTIMISTIN SUCHT NEUEN ÄRGER, AUS DEM TAGEBUCH EINER CHAOTIN, TEIL 6

Mittwoch, 3.7.

Mist, ich habe verschlafen, und mein Kopf ist irgendwie wattiert. Die Steppnähte verlaufen unregelmässig am Hinterkopf zusammen und drücken bei jeder Bewegung schmerzhaft. Dafür habe ich Ärmchen wie Klingeldrähte beim Kaffee einschenken. Es scheppert und kleckert ganz schön.

Ich rase mit CHEFIN in die Landeshauptstadt - sie muss bestimmt schon ganz dringend. Ich muss auch ganz dringend - eine oder lieber gleich zwei Kopfschmerztabletten einnehmen. Dabei fing der Abend ganz harmlos an.

Robert, 51, Architekt, stand nicht vor der Kneipe, als ich ankam, also ging ich rein. Es war tatsächlich nrappelvoll da drin. Ein Kellner kam, und ich sagte, dass für mich reserviert sei. Er guckte nach, nickte und führte mich in einen relativ dunklen Raum zu einem Vierertisch. Alle anderen Plätze waren besetzt.Die Kneipe war aber auch wunderschön. Keine Tapete dafür schöne warme Töne und Schwarzweissfotografien an den Wänden und viele Kerzen und weisse Blumen. Wenn ich Blumen verschenke, dann immer nur weisse Blumen, am liebsten viele verschiedene Sorten, aber immer alle weiss. Weiss hat eine solche edle Vielfalt wie keine andere Farbe für mich.

Und da sass er - ging so - und kam mir entgegen (klasse Satz ). Ich hatte zum Glück gleich das Gefühl, dass ich ihm gefiel. Das machte es etwas leichter. Es ist schon ein bisschen wie schön, nach so langer Zeit mal wieder auf Anhieb jemand zu gefallen.

Die Karte bot feine Leckereien, aber ich bin keine Feinschmeckerin. Ich will immer dasselbe, wenn es mir einmal geschmeckt hat und schätze ständige Änderungen in Speisekarten nicht wirklich. Aber hier gab es zum Glück auch bekannte Sachen, und wir bestellten munter drauf los. Mein erstes Gericht war ein kleines Bier - ich war noch etwas gehemmt - dem ein grosses Bier folgte und Mozzarella mit Tomaten, mein eigentliches Grundnahrungsmittel.

Wir unterhielten uns anfangs etwas schleppend, aber nach dem grossen Bier sprachen wir schon flüssiger.

Und dann kam der Kellner wieder an unseren Tisch.

Er sagte, dass er noch zwei Gäste an unseren Tisch quetschen muss, weil, die hätten auch bestellt, und nirgends sei mehr ein Platz frei. Ich sah hoch und gleich danach unter den Tisch, aber da war auch kein Platz mehr.

Die zwei grüssten ganz höflich und setzten sich an unseren Tisch. Und dann erkannten sie mich auch.

Es waren meine Ex - Schwiegereltern! Wir sind noch nicht sehr lange auseinander, meine Schwiegereltern und ich. Aber wir sind es. Und wir hatten uns seit der Scheidung nicht mehr gesehen.

Also, unsere Unterhaltung, die - nicht zuletzt durch die zwei Bierchen - schon recht locker geworden war, obwohl er, Robert, 51... auch nach eben diesen zwei Bierchen nicht zu den Top ten auf meiner Männer - Wunschliste - handverlesene Prachtexemplare, versteht sich - gehören würde, also, unsere nette Unterhaltung ebbte irgendwie ganz spontan wieder ab.

Und ich wandte mich mehr und mehr meinen Schwiegerletern zu, mit denen ich doch noch einiges zu bereden hatte.

Ehrlich gesagt, so richtig habe ich gar nicht gemerkt, wann er dann eigentlich gegangen ist. Ich würde mal so sagen : Zur Weissglut habe ich ihn vielleicht sogar gebracht.

Damit dürfte er von diesem Abend nicht allzu enttäuscht sein, ausser, er hatte das irgendwie anders gemeint.

Und mit meinen Schwiegereltern ist jetzt wenigstens alles klar. Wir haben uns endlich mal richtig ausgesprochen. Und jetzt, da sie nicht mehr meine Schwiegereltern sein müssen und ich aus der Schwiegertochterrolle ausgestiegen bin, sind sie mir viel sympathischer als die ganzen Jahre zuvor. Ein schönes Gefühl. Und ich könnte gleich Tucholsky umdichten in "Fang keine NEUE Verwandtschaft an - guck dir lieber die Landschaft an". Es ist mit der angeborenen Verwandtschaft manchmal schon schwierig genug.

Aber die vielen Wodka, die wir auf unsere Brüderschaft getrunken haben, wären nicht unbedingt alle nötig gewesen. Schliesslich haben wir uns vor "unserer" Scheidung auch schon geduzt. Aber irgendwie fanden wir gerade das besonders originell.

Wir haben so viele Schnäpse getrunken, dass wir uns nie wieder duzen können.

Gerne wüsste ich nur, ob Robert, 51, sich nun auch mit meinen Schwiegereltern duzt, oder ob er schon vorher...?! Ich habe da leider einen totalen Aussetzer. Tja, naja, was soll`s.

Und heute bade ich das alles aus. Leider bade ich des öfteren so etwas aus.

Meine armen Schwiegi`s! Die sind so was überhaupt nicht gewöhnt. Wie es denen wohl heute gehen mag?! Mir, wie gesagt, geht es heute nicht besonders.

Und dabei habe ich gestern nicht mal eine einzige Zigarette geraucht. Nicht mal heimlich. Es funktioniert: Kein Krebs = keine Zigarette.

Mein Hund hält mich gesund.Wer weiss, wie es mir sonst heute gehen würde.

 Mit der nächsten Annonce treffe ich mich trotzdem irgendwo, wo man nicht bestellen muss.

29.1.07 19:58, kommentieren