RITTERSCH MAUS

Freitag, 28.6.  4.45 Uhr

 

Meine Gäste waren heute besonders lieb und anhänglich. So, als wüssten sie, dass ich jetzt viel Geld für die nächsten Tierarztrechnungnen brauche, bestellten sie deutlich mehr Getränke als sonst, die Guten. Dabei hatte ich das Beim Universum gar nicht mit bestellt.

Und es waren zwei Holländer da, eher ungewöhnlich, weil ich fast nur Stammgäste habe. Sie arbeiten zur Zeit hier als Monteure, und sie hatten offensichtlich Hunger. Sie lasen ungewöhnlich lange in der Speisekarte, was eigentlich gar nicht möglich ist, weil ich nur vier Gerichte anbiete und jeden Tag frische Aufläufe koche, die gar nicht in der Karte stehen. Aber vielleicht, dachte ich, brauchen sie als Ausländer eben etwas länger. Und dann kam der eine zu mir an den Tresen und sagte:"Das ist ja sehr speziell bei dir. Hier gibt es sogar Maus?!"

Ich quiekte unschön und schrill:"Was, wo ist hier eine Maus??" Das ist schliesslich peinlich für eine Gaststätte.

Er zeigte in der Karte auf ein Gericht, das heisst RITTERSCH  MAUS ( ich bin manchmal etwas schlampig, wenn ich die Speisekarte mit der Schreibmaschine schreibe ). RITTERSCHMAUS ist armer Ritter, also Ei und Milch und Brot a la Dustin Hofmann in "Kramer gegen Kramer".

Gerade ich nämlich habe ausschliesslich vegetarische Gerichte im Angebot, da würde Maus, in welcher Zubereitung auch immer doch etwas fremd wirken.

Aber jetzt muss ich erst mal ins Bett. Hoffentlich kann ich ohne meine CHEFIN auch einschlafen ( und sie ohne mich! ).

Mit einem letzten Glas Bier spüle ich noch etwas Lethargie durch meine alten Adern und lasse Maria Callas ins Schlafzimmer. Ob ich nun schlafen kann oder nicht, Maria Callas ist immer richtig. Ich lasse sie im CD - Player fast jede Nacht zur Hochform auflaufen und bin glücklich, sobald ich ihre Wahnsinnsstimme höre. Sie singt ja immer nur ganz traurige Lieder, und es ist paradox, dass ausgerechnet diese Trauer mich so glücklich mqacht. Immer und immer wieder.

Es gibt allerdings ein hartes Kopf an Kopf - Rennen im CD - Player mit ihr und Mozart. Seit dem Film "AMADEUS" bin ich auch ihm hemmungslos verfallen, vor allem seinem traurigen grossartigen Requiem.

Aber, heute hat wieder einmal Maria gesiegt. Frauen sind ja so zäh. 

20.1.07 18:43

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